Als Springer in der Sprachhilfe

Ein Erfahrungsbericht aus der Arbeit mit Migranten bei WIGWAM

Von Katja Schick  

Wie viel man erleben kann in drei Jahren. So lange bin ich ehrenamtlicher Helfer bei der Nachbarschaftshilfe WIGWAM („Wir Gemeinsam Wir Aus Meckenheim“) oder besser „so kurz“, denn viele Ehrenamtliche bei WIGWAM sind schon seit Jahrzehnten dabei und hierdurch für hilfsbedürftige Menschen tätig. Mein Tätigkeitsfeld ist vor allem die „Sprach- und Konzentrationsförderung“, das heißt die Arbeit mit Kindern, die schulische Probleme, etwa mit Deutsch, haben und deren Familien selbst nicht die Möglichkeiten haben, dem Kind die nötige Unterstützung zu geben. Das betrifft hauptsächlich Familien mit Migrationshintergrund.

So habe ich einen Rumänen, eine Kurdin, zwei Türken und einen Jungen aus der Ukraine, der in Portugal aufgewachsen ist, betreut - einer nach dem anderen, manche länger, manche nur kurz. Andere WIGWAM-Mitarbeiter unterstützen schon seit Jahren dasselbe Kind und helfen ihm durch die gesamte Schulzeit, was sicher eine schöne Erfahrung ist. Ich bin eher der Springer, die Frau für Notfälle und Spontanaktionen, und zufrieden damit.

Oft ist es die Bürokratie, die mit ihrem Schneckentempo dafür sorgt, dass Ehrenamtliche einspringen müssen, bis die Maschinerie angelaufen ist und den Leuten die Hilfe zuteil wird, die ihnen zusteht. So auch im Fall eines schüchternen Jungen aus Rumänien, der krankheitsbedingt in seinem Heimatland nur die ersten paar Schuljahre besuchen konnte. Als er mit seiner Familie nach Deutschland kam, wurde er „altersgerecht“ eingestuft - also in die 9. Klasse. Völlig unverständlich, nicht nur aufgrund seiner Vita, sondern auch, weil er kaum Deutsch sprach. Ich überbrückte mit ihm die Zeit, bis er in eine Sonderförderschule aufgenommen wurde. Die Einblicke, die er mir in seinen Alltag gab, waren geprägt von finanziellen Schwierigkeiten, Familienangelegenheiten und blankem Unverständnis bürokratischen Abläufen gegenüber. Ich verstehe die im Übrigen oft genauso wenig - und dabei arbeite ich in einer Bundesbehörde.

Ähnlich war auch der Fall eines kurdischen Mädchens, das die zweite Klasse wiederholen musste. Zwar lagen alle Voraussetzungen und auch die unzähligen amtlichen Unterlagen vor, damit sie staatlich geförderte Nachhilfe bekommen konnte. Aber das bringt alles nichts, wenn das halbe Schuljahr vergeht, bis der Antrag fertig bearbeitet ist. Es gibt so vieles, über das man sich aufregen könnte, aber die Freude an der ehrenamtlichen Arbeit überwiegt jeden Ärger. Und die zwischenmenschlichen Kontakte lassen das bisschen Aufwand, das man hat, verblassen. „Meine“ kurdische Familie zum Beispiel kann ich nicht besuchen, ohne zum Essen oder zu einer Tasse Tee eingeladen zu werden, und die Treffen sind für mich eine mindestens so große Bereicherung wie für sie.

Zwischen Spielen, Lesen und Lernen gibt es immer wieder tiefschürfende Momente, in denen ich ahne, dass gerade etwas Wichtiges, etwas Großes passiert. Augenöffner, die einen auch an die eigene Grenze bringen können. Als ich mich zum Beispiel einmal mit einem türkischen Mädchen unterhielt, fragte sie mich, wann man „Deutscher“ sei. Ich – Beamtin und pragmatisch – erläuterte eloquent die Voraussetzungen der deutschen Staatsbürgerschaft. Sie hörte aufmerksam zu und fragte schließlich: „Aber ich habe doch einen deutschen Pass. Warum nennen mich die anderen in der Schule dann ‚Ausländer‘?“. Da war sie dahin meine Eloquenz. Dasselbe Mädchen sagte allerdings ein wenig später, als ich sie darauf aufmerksam machte, wie sie das „ch“ aussprach: „Aber Ausländer spre(s)chen so.“ Ja, auch sie ist wie wir alle auf Wegsuche, und Kinder wie sie sind wie sonst niemand auf Gratwanderung.

Wie viel man erleben kann in drei Jahren: Durch die Tätigkeit bei WIGWAM habe ich nicht nur das Gefühl, meine Zeit sinnvoll einzusetzen, sondern auch Freunde gewonnen. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die ich ohne WIGWAM niemals getroffen hätte, und die mein Leben bereichern mit ihren persönlichen Erfahrungen, ihrer Aufgeschlossenheit und auch ihren Eigenarten. Sie erlauben mir einen Blick auf andere Leben, andere Welten, direkt hier in meiner Nachbarschaft in Meckenheim.

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