Helden einer Generation

Erfahrungen bei einem Sozialpraktikum im Altenheim Sankt Josef

Von Hannah Grüne

„Mensch ärger dich nicht“ und Spaziergänge - solche „zusätzliches Bonbons", wie es unsere Betreuerin Frau Zeus formulierte, konnten meine Mitschülerinnen und ich während unseres Praktikums im Seniorenheim St. Josef in Meckenheim den Bewohnern anbieten. In einem Seniorenheim bekommt man schnell mit, dass dort nicht nur hilfsbedürftige Menschen leben, sondern echte Persönlichkeiten.

Die älteren Herrschaften, die hier so ruhig in der Wohnküche sitzen und ihren Saft trinken, können von einem reichen Leben erzählen: Da ist etwa der Pilot eines Kriegsflugzeuges, der Leiter eines Sägewerks, die Sekretärin eines ehemaligen Bundeskanzlers oder ein Doktor, der sich früher oft in Sitzungssälen aufhielt. Alle überraschen mit Geschichten, die man von ihnen auf den ersten Blick gar nicht erwartet hätte. Sie haben Menschen kennengelernt, Länder bereist und Sprachen gelernt, die für uns Jugendliche fern und unerreichbar scheinen.

Doch nicht nur ihre Vergangenheit ist beeindruckend. In den Gruppenaktivitäten am Mittag entpuppten sich einige Bewohner als Poeten und Sänger - und das mit einem größeren Repertoire, als es irgendeine Sammlung an alten Kassetten und Büchern bieten kann. Es sind Menschen, die viel mehr wissen und erlebt haben als ich, und deren teilweise große Vergesslichkeit von so unwichtigen Dingen wie der Ort ihres Zimmers einem schnell das falsche Gefühl gibt, man sei ihnen überlegen. Dabei braucht die alte Dame kein Mitleid, die im ersten Moment den Anschein macht, nicht sprechen zu können. Sie weiß ganz genau, von wem sie sich gerne das Essen anreichen lässt - und spricht nur dann, wenn es eben nötig ist oder wenn sie es möchte. Warum sollte sie sich auch die Mühe machen zu sprechen, wenn die junge Praktikantin doch ganz genau weiß, dass man satt ist, sobald man die Lippen aufeinander presst und den Kopf wegdreht. Das sind Menschen mit Würde.

Wenn man ihr Vertrauen gewinnt und das Privileg bekommt, etwas von ihren Erfahrungen zu hören, dann erhält man etwas ganz Besonderes: Eine Lehre fürs Leben und die Chance, aus diesen, teilweise schmerzlichen Erfahrungen zu lernen. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen: Auf das Schieben des Rollstuhls oder das Einlegen der Lieblings-CD folgen dankbare Worte, Bonbons und Lebensweisheiten. Hier vereinen sich unbezahlbare Lebenserfahrung und junge Dynamik. Jung und Alt: ein ungleiches, aber perfektes Paar.

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